Ein schwerer kurzer Regenfall der am Dienstag dem 20.08.2002 über das Gemeindegebiet Spittal/Drau niederging, hätte beinnahe zu einer Kathastrophe geführt.
Um 18:23 Uhr kam es zu einer Alarmauslösung durch Sirenenalarm durch die Brandmeldeanlage des Chemiebetriebes der Fa. Merck für die Feuerwehr Spittal/Drau. KDOF, TANK 4001 sowie ASF rücken sofort zum vermeintlichen Einsatzort aus. Hier wird vom KDOF über die Brandmeldeanlage als Auslöser das Chemikalienlager lokalisiert. Unverzüglich wird der angegebene Bereich nach der Auslösungsursache überprüft. Gleichzeitig gehen mehrere Anrufe wegen Überflutung von zwei Strassenunterführungen bei der Florianstation der Feuerwehr Spittal/Drau ein, zu der in weiterer Folge das SRF-K sowie der TANK 4002 ausrücken. Unterdessen wird der Einsatzleiter des Brandmelderalarmes Merck informiert, dass der zuständige Brandschutzbeauftragte des Chemiebetriebes aufgrund von Windwürfen von seinem Wohnort in Oberamlach erst verspätet eintreffen wird. Nach seinem Eintreffen am Einsatzort wird als Auslöser die Meldergruppe 45 im Chemikalienlager lokalisiert.
Eine Alarmmeldung über einen Murenabgang im Bereich Oberamlach für die Feuerwehr St.Peter-Spittal und die Dramatik des Funkverkehres veranlasst den Einsatzleiter des BM-Alarmes Merck, HBI Franz Brunner mit der Einsatzleitung St.Peter-Spittal Kontakt aufzu nehmen.
Die angebotene Hilfe wird vom Einsatzleiter OBI Geier Ernst angenommen und sofort rückt TANK 4001 zur Einsatzstelle nach Oberamlach. Die Funksprüche der eingesetzten Fahrzeuge der Feuerwehr St.Peter-Spittal vermitteln uns, dass das Ausmaß der Mure, die über den Ortsbereich Oberamlach nieder gegangen ist, vorerst nichts genaues bekannt ist. Vom Einsatzleiter wird der TANK 4001 über den Zufahrtsweg der Mülldeponie zum Einsatzort beordert. Schon bei der Zufahrt von der Westseite zum Einsatzort ist ersichtlich, dass mehrere Muren abgegangen sind und kurz vor den ersten Häusern ist die Strasse durch umgestürzte Bäume blockiert.
Das letzte Teilstück wird vom Einsatzleiter Spittal/Drau „ zu Fuß“ bewältigt. Durch knietiefen Schlamm wird das Anwesen Rieder und die umliegenden Häuser erreicht. Hier bietet sich den nachrückenden Kameraden des TANK 4001 ein dramatisches Bild. Die Bewohner des betroffenen Ortsteiles stehen teilweise auf der mit Geröll und Schlamm bedeckten Strasse bzw. vor den Hauseinfahrten. Sofort werden Sie aufgefordert, sich aus dem Gefahrenbereich zu begeben. Kontaktaufnahme mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr St.Peter-Spittal. Das angeforderte SRF-K für das Freimachen der verklausten Brückenpfeiler der Amlacherbrücke ist vorerst nicht nötig. In weiterer Folge werden LF, TANK 4002 sowie MTF der Feuerwehr Spittal/Drau angefordert. Zusätzlich wird noch die Feuerwehr Olsach Molzbichl alarmiert, die mit TANK 3000 und LF ausrückt.
Nach Rücksprache mit dem Einsatzleiter St.Peter-Spittal wird eine Bestandsaufnahme des westlichen Bereiches des Durachbaches durch die Feuerwehr Spittal/Drau gemacht. Weiters wird der Hubschrauber des Innenministeriums angefordert um die Nordflanke des Goldeckes abzufliegen und um Gefahrenstellen im Durachgraben und im Einödgraben auszumachen. Ortskundige Feuerwehrkameraden der Ortsfeuerwehr machen sich „zu Fuß“ auf um über Forstwege die Lage zu erkunden und um die eingesetzten Feuerwehrkameraden im Tal vor weiteren Murenabgängen zu warnen. Die zuständigen Behördenvertreter der Gemeinde, der BH sowie der BFK und AFK werden verständigt.
In einer kurzen Einsatzbesprechung der beiden Kommandanten Brunner und Geier werden die weiteren Einsatzmaßnahmen besprochen. So werden über die Florianstation schweres Räumgerät und LKW`s der Gemeinde sowie privater Firmen angefordert. Die von der LAWZ geforderte Einrichtung des Hubschrauberlandeplatzes wird durchgeführt, wobei die Einweisung des Hubschraubers durch einen vor Ort anwesenden Gendarmeriebeamten durchgeführt wird. Weiters wird ein ortskundiger Feuerwehrkamerad der Feuerwehr St.Peter-Spittal nominiert, der als Beobachter mit dem Hubschrauber mitfliegt (19:35 Uhr). Einsatzkräfte der Feuerwehr Olsach-Molzbichl erkunden die Lage im Bereich Unteramlach und die Strasse zum Kleinsasserhof. Um 20:15 Uhr trifft der Feuerwehrarzt Dr.Zeichen am Unglücksort ein.
Weiters wird Bgmst. Gerhard Köfer (18:55 Uhr) – der sich zum Zeitpunkt im Burgenland befindet über das Schadensausmaß informiert. Von der Florianstation wird weiters die Verpflegung der eingesetzten Einsatzkräfte organisiert.
In kürzester Zeit sind Räumgeräte und LKW`s vor Ort und beginnen unverzüglich mit dem Freimachen der Strassen und Zufahrtswege. Als besonders vorteilhaft erweist sich der Umstand, dass einige Kameraden bei der Gemeinde beschäftigt sind und dadurch rasch und unbürokratisch freiwillig zur Verfügung stehen. Weiters, dass private Unternehmen unverzüglich nach Rückfrage durch die Florianstation mit diversen Geräten sofort und spontan zur Verfügung stehen.
Eine Bestandsaufnahme im Zuge einer Einsatzbesprechung (20:24 Uhr) an der Behördenvertreter und Führungskräfte der eingesetzten Feuerwehren teilnehmen, wird das Schadensausmaß sowie die weiteren Einsatzmaßnahmen besprochen. Weiters fliesen in diese Besprechung auch die Lageübersicht des Hubschrauberfluges ein.
Es wird beschlossen, vorerst dürfen die bedrohten Wohnhäuser in den nächsten zwei Stunden nicht betreten werden. Der Ortsteil Unteramlach sowie der Bereich des Gasthofes Kleinsasser werden vom Einsatzleiter St.Peter-Spittal, Geier Ernst sowie OBI Hübner Julius begangen (20:43 Uhr). Weiters werden Gefahrenbereiche ausgeleuchtet bzw. kenntlich gemacht.
Mittlerweilen konzentrieren sich die Einsatzmaßnahmen im Bereich Oberamlach auf das Wohnhaus der Familie Rieder. Die abgehende Mure hat den Ostteil des Wohnhauses eingeschlossen und Gesteins- u. Schlammmassen sind durch die geborstenen Kellerfenster in das Kellergeschoß gelangt und haben dieses zur Gänze in einer Höhe von 40 cm verschüttet. Ein Kommunalfahrzeug der Stadtgemeinde, das von einem Kameraden der Feuerwehr Spittal/Drau bedient wird, leistet hier große Dienste. Mit Hilfe der Schlammpumpe des Fahrzeuges und in händischer Kleinarbeit wird der gesamte Keller ausgeräumt. Diese Tätigkeit, die von allen drei Feuerwehren getätigt wird, dauert bis 01:55 Uhr.
Ein zufällig vor Ort stehender LKW mit einem Kettenbagger der Fa. Moser wird zur Freimachung des Bachbettes eingesetzt. Zusätzlich wird noch ein JCB eingesetzt und beiden gelingt es, den aus den Ufern getretenen Bach, provisorisch in sein ursprüngliches Bachbett zurück zu leiten.
Die Zufahrtsstrasse zur Mülldeponie ist auf ca 100 Meter Länge vermurt und zusätzlich durch meterdicke Baumstämme blockiert. Ein Holztransporter der Fa. Reiter sowie ein Radlader der Fa. Brunner leisten hier ganze Arbeit.
Die Drau selbst ist im Mündungsbereich des Durachbaches durch Geröll-u. Schlammassen auf ein Drittel der Flussbreite eingeengt. Es besteht aber keine unmittelbare Gefahr für die flussabwärtsstehende Amlacherbrücke.
Nach Abschluss der Erkundung des Ortsbereiches Unteramlach wird im Feuerwehrhaus der Feuerwehr St.Peter-Spittal (21:36 Uhr) eine weitere Einsatzbesprechung abgehalten. Hier wird auch die Situation in Unteramlach besprochen. So ist die Sperre im Bereich des Kleinsasserhofes stark in Mitleidenschaft gezogen und Geröll in einer Höhe von ca 3 Metern dazugekommen. Die oberhalb des Kleinsasserhofes befindliche Brücke wurde weggerissen und die Strasse ist unpassierbar. Die Sperre im Tal in Unteramlach ist zu einem Drittel gefüllt. Als weitere Maßnahme wird eine nochmalige Begehung des Schadensbereiches in Oberamlach vereinbart und im Anschluss sollten auf Grund dieser Erkenntnisse die weitere Vorgangsweise vereinbart werden.
Nach der Erkundung wurde folgender Beschluss gefasst. Da alle wichtigen Zufahrtsweg geräumt und somit wieder passierbar waren, wurden die Aufräumungsarbeiten im Flurbereich eingestellt. Zwei Mann der Feuerwehr St.Peter-Spittal wurden als Beobachtungsposten in den Durachgraben positioniert um eventuelle Gefahren vorzeitig zu erkennen. Die Ausräumungsarbeiten im Wohnhaus Rieder werden zu Ende geführt und eine eventuelle Ablöse der eingesetzten Mannschaft mit 01:00 Uhr vereinbart. Die Beleuchtung in Gefahrenbereich wird aufrecht erhalten. Somit konnte ein Grossteil der eingesetzten Feuerwehrkameraden einrücken.
Um 01:55 Uhr war auch der Einsatz der Kameraden der Feuerwehr Spittal/Drau zu Ende und wir konnten uns nach der Reinigung der Einsatzkleidung und Ausrüsten der Einsatzfahrzeuge nach Hause begeben.
Als Resümee möchte ich als Autor dieses Berichtes den Einsatzwillen, die Einsatzbereitschaft und die gute Zusammenarbeit der Feuerwehren der Gemeinde Spittal/Drau hervorheben. Wir haben gemeinsam, durch gezielte Einsatzmaßnahmen rasch und effizient geholfen. Weiters haben wir gezeigt, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Einsatzausrüstung und Fahrzeuge in der Lage sind, in Not geratenen Mitbürgern zu helfen. Auch haben sich gute Kontakte zu Unternehmern wieder einmal bezahlt gemacht. Anforderung der Einsatzleitung im Bezug auf schweres Räumgerät wurde gezielt an die Firmen mit der entsprechenden Ausrüstung weitergeleitet und diese waren sofort bereit mitzuhelfen – allen ein herzliches Dankeschön.
Auf Grund dieses Ereignisses sollte man auch nachprüfen, wann die letzte Begehung der Wildbachverbauungen stattgefunden hat. Vor allem sollte vorgesorgt werden und periodische Überprüfungsintervalle der Schutzeinrichtung je nach Erfordernis festgelegt werden.
HBI BRUNNER Franz
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