Sägewerksbrand Holzbau Moser
10 Mai 2003, 21:37
Zum zweiten Mal wurde ein Großbetrieb in Spittal/Drau ein Raub der Flammen. Am Samstag, dem 10.Mai 2003 um 21.37 Uhr wurde von Anrainern ein Brand in der Zimmerei Moser gemeldet und über Sirenenalarm wurde vorerst die Feuerwehr Spittal/Drau alarmiert.
Der Gewerbebetrieb befindet sich südöstlich des Feuerwehrhauses in ca 500 Meter Entfernung, in unmittelbarer Nähe des Hallenbades. Bei der Anfahrt der Feuerwehrkameraden war auf Grund des Feuerscheines ersichtlich, dass es sich um ein größeres Brandereignis handelt und es wurden sofort die Feuerwehren St.Peter-Spittal und Olsach-Molzbichl dazu alarmiert.
Durch die örtliche Nähe des Betriebes zum Feuerwehrhaus war das erste Tanklöschfahrzeug bereits 3 Minuten nach der Alarmierung vor Ort. Die Zufahrt auf die nördliche Seite des Gewerbebetriebes ist nur einspurig befahrbar und zum Zeitpunkt des Eintreffens stand der Mittelteil der alten Produktionshalle in Vollbrand.
Von anwesenden Passanten wurden zwei Kleintransporter und ein PKW aus dem Gefahrenbereich evakuiert. Ein weiterer Kleintransporter, der sich in der östlichen Halle befand, konnte nicht mehr geborgen werden.
Da die Halle mit einer Blecheindeckung versehen war, erfolgte die Brandrauch-und Wärmeabführung über die äusseren Gebäudekanten. Das auf der Nordseite ca 15 Meter entfernte Bürogebäude, ein Lackierraum, die Holztrocknungsanlage, sowie eine Lagerhalle fingen auf Grund der Strahlungswärme zu brennen. Dieser freie Bereich, sowie die nach Süden führende Durchfahrt zwischen der im Brand befindlichen Halle und des Flugdaches auf der Ostseite war aus diesem Grund nicht mehr passierbar. Weiters fing der auf der Westseite an das Brandobjekt grenzende Sägespänesilo ebenfalls zu brennen an.
Auf der Westseite des Betriebsgeländes befindet sich weiters eine neu errichtete Abbundhalle mit der dafür erforderlichen maschinellen Ausrüstung, die ebenfalls durch die extreme Strahlungswärme akut gefährdet war. Als Erstmaßnahme wurde daher mit den beiden vorerst zur Verfügung stehenden Tanklöschfahrzeugen der Feuerwehr Spittal/Drau versucht, das zweigeschossige Wohnhaus (aus Holz erbaut), welches an der Nordostseite liegt und die Produktionshalle im Westen vor einer Brandausbreitung zu schützen. Die Einweisung und Koordination der anrückenden Feuerwehren wurde vom Kdstv. OBI Hübner übernommen. Ich als Autor dieses Berichtes und Kommandant der Feuerwehr Spittal/Drau habe mich vorerst auf die Leitung der Löscharbeiten auf der Westseite, im Bereich der Abbundhalle, konzentriert.
Die mittlerweilen eingetroffenen Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehren St.Peter-Spittal und Olsach-Molzbichl wurden auf die Südseite des Brandobjektes beordert und hatten den Auftrag gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehr Spittal/Drau ein Übergreifen der Flammen auf die Abbundhalle zu verhindern.
Mittlerweilen kam es zu einer explosionsartigen Entzündung der östlich angrenzenden Halle, welche in Form eines Flugdaches ausgeführt war und innerhalb von Sekunden stand der gesamte Mittelbereich des Gewerbeobjektes in Vollbrand.
Erschwerend war vorerst, dass es keinen weiteren Zugang zum Betriebsgelände gab und dass erst in die bestehende Einfriedung Öffnungen geschaffen werden mussten. Weiters waren am gesamten Betriebsgelände fertig gestellte Dachstühle sowie Rohmaterial gelagert, dass auf Grund der Strahlungswärme zu brennen begann. Ein auf der Südwestseite befindlicher LKW begann ebenfalls zu brennen.
Mit einem HD-Rohr für die Abkühlung des LKW, sowie einem B, sowie einem C-Rohr als Mannschutz für die Löschmannschaft des B-Rohres, wurde die Abbundhalle, sowie der nördlich gelegene Gebäudetrakt mit einem abgestellten Gabelstapler vor der Zerstörung geschützt.
Als erschwerend stellte sich die Anwesenheit des Betriebsinhabers heraus. Durch das Ereignis war er in einen psyhischen Ausnahmezustand geraten, der dazu führte, dass er die anwesenden Feuerwehrkameraden verbal beschimpfte und einen sogar tätlich angriff.
Auf Grund des Brandausmaßes wurden weiters die Feuerwehren Seeboden, Lendorf, Möllbrücke und Millstatt alarmiert. Eine Wasserversorgung über das Kinderbecken des angrenzenden Hallenbades (das Hauptbecken war noch nicht gefüllt) mit 3 TS wurde aufgebaut. Weiters wurde über das vorhandene Hydrantennetz das durch Pumpenzuschaltungen durch das Wasserwerk verstärkt wurde, die Speisung der Tanklöschfahrzeuge vorgenommen. Nach dem Eintreffen der Feuerwehren Seeboden, Millstatt und Möllbrücke wurde eine weitere Wasserversorgung von der Lieser mittels TS aufgebaut.
Auf der Süd- und Südostseite wurden durch die Feuerwehren Möllbrücke, Lendorf, Seeboden und Millstatt die angrenzenden Bürogebäude einer Elektronikfirma vor Flammenübergriffen geschützt. Die Löscharbeit in diesem Bereich wurden zum teil mit schwerem Atemschutz durchgeführt, da der Brandrauch nach Osten abzog.
Ein Leitereinsatz war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, da es nur eine Betriebszufahrt gab und die Strahlungswärme vorerst zu groß war und durch Brandschutt verlegt war. Cirka 20 Minuten nach Brandausbruch stürzte die Halle ein. Ein Glutregen zog daraufhin über die südlich gelegenen Bahngeleise Richtung Südosten und verursachte bei einigen in ca 500 Meter Entfernung abgestellten PKW`s eines Wohnblocks, Lackschäden. Da der gesamte Kellertrakt teilweise mit Sägespänen gefüllt war, breitete sich der Brand auch in diesem Bereich rasend schnell aus und die darüber liegenden Holzböden brannten durch und die darauf befindlichen teilweise schweren Maschinen stürzten in den Kellerbereich.
Nach ca 2 Stunden war der Brand soweit unter Kontrolle, dass eine Zufahrt für die Drehleiter möglich war und mit der Brandbekämpfung beim Sägespänesilo begonnen werden konnte. Der Silo und die darinnen befindlichen Sägespäne wurden durch die Strahlungshitze sowie durch Rohrleitung für die Sägespänezuführung in Brand gesetzt. Weiters wurden Teile der Blecheindeckung mittels SRF-K und einem Kommunalfahrzeug der Stadtgemeinde Spittal/Drau entfernt, um den Brand besser zu bekämpfen.
Vom anwesenden Feuerwehrarzt Dr. Johann Zeichen wurden Kameraden, die teilweise leichte Rauchgasvergiftungen bzw. leichte Verbrennungen erlitten haben, vor Ort verarztet.
Von 01:00 Uhr bis 03:00 Uhr rückten die angeforderten umliegenden Feuerwehren ein. 20 Mann der Feuerwehr Spittal/Drau , die als Brandwache zurückblieben, setzten die Löscharbeiten bis Sonntag 08:10 Uhr fort.
Bei einer Kontrolle am Nachmittag des selben Tages wurden über „stillen Alarm“ weitere Nachlöscharbeiten im Bereich des Silos getätigt und dieser fast zur Gänze entleert.
In weiterer Folge wurden wir noch 4 mal zu Nachlöscharbeiten alarmiert – Grund, wie schon angeführt, der gesamte Kellertrakt war mit Sägespänen gefüllt, dadurch ist es vor allem im Bereich wo die Blecheindeckung über dem Brandschutt lag nur erschwert möglich, gezielte Löscharbeiten durchzuführen. So wurden am Dienstag, dem 20.05.03 die Reste der Blecheindeckung mittels Kran und SRF-K entfernt, um die Nachlöscharbeiten effizienter durchführen zu können. In den darauf folgenden Tagen wurde mit Unterstützung der Gemeinde der Brandschutt entsorgt und dadurch ein weiteres Aufflammen von Glutnestern ausgeschalten.
Anzumerken ist, dass alle eingesetzten Feuerwehrkameraden ausgezeichnete Arbeit geleistet haben und durch Ihren beherzten Einsatz die Vernichtung der Abbundhalle, des Wohnhauses, des LKW`s, den an der Nordseite befindlichen Gebäudetrakt mit dem Gabelstapler, sowie des im Osten angrenzenden Betriebes verhindert haben.
Da für das vorherrschende Brandausmaß erst die nötigen Versorgungsleitungen für die Löschmannschaften und Tanklöschfahrzeugen aufgebaut werden mussten, konnte ein massiver Einsatz erst nach angemessener Zeit erfolgen. Dadurch wurde einsatztaktisch das Augenmerk auf ein Übergreifen der Flammen auf die noch bestehenden und nicht brennenden Hallen und Wohngebäude gelegt.
Alleine aus dem Kinderschwimmbecken wurden 700.000 Liter Wasser entnommen - dies war möglich, weil vom Betriebsleiter des Hallenbades der Zulauf zum Becken geöffnet wurde. Das Hydrantennetz wurde weiters vom Wasserwerk vorsorglich zusätzlich durch Umschaltungen von Leitungen und Zuschalten einer Tiefbrunnenanlage verstärkt.
Insgesamt waren am Einsatz 194 Kameraden des Abschnittes Spittal-Lurnfeld und Millstatt-Radenthein mit 9 Tanklöschfahrzeugen, 4 Kleinlöschfahrzeugen, 3 Löschfahrzeugen und 9 sonstigen Fahrzeugen beteiligt.
HBI BRUNNER Franz
Statistik
| Einsatzart Mannschaft Einsatzdauer Fahrzeuge |
Brand/Grossbrand 44 Mann 10h 33 KDOF TLF 4000-1 TLF 4000-2 DLK 30 ASF SRF-K LF-8 MTF |
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